Sonderausstellung „1890. Leinen los – Mr. Doughty legt ab.“

Von einem Segel-Abenteuer ab Friesland via Mecklenburg nach Böhmen

Eine neue Sonderausstellung wurde am 01.09.2022 im 3 Königinnen Palais auf der Mirower Schlossinsel eröffnet. Unter dem Titel „1890. Leinen los – Mr. Doughty legt ab“ erzählt die „etwas andere“ maritime Sonderausstellung von dem Segel-Abenteuer des H.M. Doughty, das ab Friesland via Mecklenburg nach Böhmen führt. Konzipiert und für das 3 Königinnen Palais umgesetzt wurde die Sonderausstellung von Jürgen Hagenkötter und in Zusammenarbeit mit seiner Lebensgefährtin Verena Lübbert kuratiert. Zur Eröffnung fanden sich vor allem Interessenten aus der Region ein, die sich während der inhaltlichen Vorstellung rege mit Jürgen Hagenkötter zu Detailfragen und Besonderheiten rund um das Segel-Abenteuer austauschten.

H. M. Doughty, Jahrgang 1841, gehörte zu den ersten Bootstourismus-Pionieren am Ende des 19. Jahrhunderts. Und er war charmant-spleenig genug, um sich auf ein verrücktes Abenteuer einzulassen. Die eher behäbigen Wherrys, einmastige kiellose Lastensegler mit geklinkertem Rumpf und Gaffelsegel, sorgten auf den Wasserstraßen der Industrialisierung für Mobilität. Fasziniert davon erwarb Doughty 1885 eine Wherry und baute sie zu seiner „Gipsy“ um. Der Frachtensegler ist zur “Luxusyacht“ geworden … und Doughty zum Pionier des Bootstourismus. Er suchte nach Revieren, die nicht nur für ihn neu waren, sondern die auch noch von keinem englischen Segler erforscht waren und fand sie auf der „Karte der Deutschen Wasserstraßen“ (Sympher und Maschke, 1887), die ein Labyrinth von Seen in Mecklenburg enthüllte. Ende Juli 1890 hieß es dann Leinen los – 452 Tage von Friesland, via Mecklenburg bis nach Böhmen lagen vor ihnen.

Begleitet wurde Doughty abwechselnd von seinen vier Töchtern, die alle über ein außergewöhnliches Zeichentalent verfügten. Ihnen ist eine präzise – beinahe fotogleiche – Dokumentation der gesamten Reise zu verdanken. Eine große Anzahl der Zeichnungen sind in Doughtys Reisebeschreibung „Our Wherry in Wendish Lands …“, aufgenommen und werden in der Ausstellung präsentiert.

Jürgen Hagenkötter ist seit rund 50 Jahren in Kommunikation und Marketing tätig und seit 1972 selbstständig. 2000 eröffnete er ein eigenes Museum – das Zugpferdemuseum – mit den Schwerpunkten der Entwicklung bespannter Mobilität bei der Post, im Gewerbe, in der Industrie und beim Militär. Diese Kernthemen sind auf großes nationales und internationales Interesse gestoßen und sind im Laufe der vergangenen Jahre in Richtung umfassender Mobilität, Bewegung weiterentwickelt worden. Es ist also nicht nur mehr das Pferd allein im Fokus – sondern ebenso die schienengebundene Mobilität, das Schiff, das Flugzeug oder das Auto und der Lkw. Diese Ausrichtung hatte zur Folge, dass auch andere Verkehrs-, Technik- und Kommunikationsmuseen auf diese Themenfelder aufmerksam wurden. Jürgen Hagenkötter trug dem damit Rechnung, indem er fortan Mobilität nicht nur im eigenen Hause dokumentierte, sondern mit der Neugründung „Museum on tour“ auch gleichermaßen praktizierte. 

Er entwickelte und realisierte Sonderausstellungen für interessierte Häuser. Zum Beispiel für das 3 Königinnen Palais, das Schliemann-Museum, das AGRONEUM, das Deutsche Museum, das Verkehrsmuseum Dresden, das Deutsche Pferdemuseum, das Deutsche Schifffahrtsmuseum oder das UNESCO Welterbe Rammelsberg und für viele mehr.

Grundanliegen ist für Jürgen Hagenkötter Museum heute anders zu denken: „Weg von minimalistischer Darstellung – hinein ins richtige Leben. In die szenografische Präsentation. Möglichst mit guten Figurinen in Lebensgröße. Spannende Erlebnis- und Erlebenssituationen schaffen. Wir müssen die Besucherinnen und Besucher da abholen, wo sie sind. Ich mache Ausstellungen für die ganz Kleinen und für die ganz Großen, für die Jungen und für die Alten. Ich möchte sie alle haben. Möglichst nicht nur einmal!

Im Rahmen der interaktiven Erlebnisausstellung, rund um drei mecklenburgische Prinzessinnen, die einst zu bedeutenden Königinnen wurden, ist die Sonderausstellung bis zum 30.11.2022 zu sehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.